Technologien in der Maritime Sicherheit

Technologien in der Maritime Sicherheit

Im nationalen und internationalen Bereich der maritimen Kooperationen gilt es die vorhandenen Ressourcen in der Deutsche Marine so einzusetzen, dass eine Beteiligung und Verpflichtung den maximalen Gewinn an Erfahrungen und Informationen sowie nationales Prestige erzielt. Hierfür ist eine Positionsbestimmung erforderlich.

Zur Erstellung eines Basiswissens als Entscheidungsgrundlage im Bezug auf nationale und internationale Kooperationen, Projekten, Konzepten müssen grundsätzliche Analysen durchgeführt werden um die erforderlichen Werkzeuge für die Erfüllung der damit übernommenen Verpflichtungen zukunftssicher bereitstellen zu können.

Während der internationale Bereich immer die gemeinsamen internationalen Forderungen abzudecken versucht, fehlt oftmals ein gemeinsamer Leitfaden auf nationaler Seite. Mangels dieser harmonisierten nationalen Position können wiederum keine nationalen Punkte in die internationalen Vorhaben zur Berücksichtigung und Vertretung eingebracht werden.

In den 1990er Jahren erhielt die Informationstechnik breiten Einzug in der Industrie und den öffentlichen Dienst, folglich auch in der Deutschen Marine; hier speziell das heute obsolete NATO-System „Maritime Command and Control System“ (MCCIS), welches auf breiter Basis an Land und an Bord installiert ist. In den letzten 25 Jahren sind durch unterschiedliche Forderungen und Erfordernisse zahllose inkompatible Systeme eingeführt worden.

Diese Entwicklung vollzog sich in allen Bereichen und in allen Nationen. In der Mehrzahl der Fälle existieren heute in den Nationen, Organisationen und Agenturen demzufolge die verschiedensten, sehr spezialisierten, Systeme zur Bearbeitung der dedizierten Aufgaben. Eine nationale Positionierung zum Anschluss an das NSWAN und Nutzung MCCIS war alternativlos da die Bündnispartner keine Optionen zur Interoperabilität hatten.

Ab der Jahrtausendwende veränderte sich dies grundlegend. Die Technik ermöglichte die Entwicklung von nationalen Systemen, welche kompatibel zu MCCIS waren, wie z.B. das NORCCIS der Norwegischen Marine. Mit Einzug des Automated Identification System (AIS) in der Seeschifffahrt, der damit verbundenen erhöhten Objektanzahl – welche die Kapazitäten des obsoleten MCCIS um das 20-fache überschritten – erhöhte sich die Anzahl der Eigenentwicklungen bis lediglich noch eine Handvoll von Marinen verblieben, welche MCCIS als nationales Lagebildsystem nutzen.

Die internationalen militärischen Operationen der 1990er erforderten mehr den Ansatz Combined-Joint, bei dem nicht allein die maritimen Informationen und Systeme, sondern ganzheitlich alle militärischen Bereiche betroffen sind.

Aufgrund der nun erforderlichen internationalen Zusammenarbeit entstand in der NATO das Konzept der „NATO Network Enabled Capability“ (NNEC), welches die EDA als EUNEC nahtlos übernommen hat und aus welcher die Idee Eingang bei DG MARE fand, die hierfür den Begriff „Common Information Sharing Environment“ (CISE) verwendet. Die Bundeswehr nutzt den Begriff der Vernetzten Operationsführung (NetOpFü).

Grundsätzlich strebt dieses Konzept unter verschiedenen Namen einen übergreifenden Informationsaustausch an. Versuche einer Integration der, auf nationale Bedürfnisse und/oder organisationsbezogene Anwendungen zugeschnittenen Systeme, in einen ganzheitliche Systemverbund führt jedoch in allen Fällen zu sehr komplexen, sehr kostenintensiven und kaum mehr beherrschbaren Projekten und Programmen[1].

Aus diesem Grund haben die Studien des „European Security Research Advisory Board“ (ESRAB, 2006) und des „European Security Research and Innovation Forum“ (ESRIF, 2009) die Umsetzung der Interoperabilität zwischen existierenden Systemen mittels Schnittstellen[2] („Interfaces/Gateways/Translators“) empfohlen.

Dieser Empfehlung folgend begann 2006 das erste Projekt der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA), welches 2011 den ersten Schnittstellen-Prototypen bereitstellte. Die MARSUR-Mitgliedsstaaten finanzierten 2012-2014 eine weitaus leistungsfähigere Schnittstelle die den ersten Prototypen ersetzte und die im MARSUR Networking Anwendung findet. Zuvor wurde auf identischen technologischen Grundlagen 2007 bereits die Schnittstellentechnologie in der Sea Surveillance Cooperation Baltic Sea (SUCBAS) zur Anwendung gebracht.

Maritime Surveillance (MARSUR) Networking schafft die dezentrale Verknüpfung der nationalen maritimen Seelagebilder ohne deren Fusion, d.h. die nationale Zuständigkeit bleibt unberührt, das nationale Lagebild – hier des MarKdo MOC – erhält aber zusätzliche Informationen von allen anderen Teilnehmern und vice versa.

Die Sea Surveillance Cooperation Baltic Sea (SUCBAS) ist im Aufbau und der Umsetzung identisch mit dem MARSUR Networking, lediglich der Teilnehmerkreis ist kleiner.

Das Common Information Sharing Environment (CISE) vernetzt wiederum das MARSUR Networking mit sechs weiteren zivilen Informationsräumen. CISE verknüpft dezentral die nationalen maritimen militärischen und zivilen Seelagebilder bzw. ermöglicht den Informationsaustausch, d.h. die nationalen Zuständigkeiten bleiben unberührt, die nationalen Lagebilder – hier des MarKdo MOC und das des MSZ Cuxhaven – erhalten aber zusätzliche Informationen von allen anderen Teilnehmern und vice versa.

Eine erste prototypische Umsetzung von CISE wurde 2015 aufgenommen und befindet sich noch im laufenden Projekt bis 2016 mit dem geplanten Meilenstein zur Systemreife in 2020.

Daneben gibt es unzählige zentralisierte Ansätze in den internationalen Kooperationen, der bekannteste ist neben dem Maritime Control and Communication System (MCCIS), das Virtual-Regional Maritime Traffic Center bzw. das Trans-Regional Maritime Network, (V-RMTC/T-RMN) uvm. in denen sich die Deutsche Marine zum Informationsaustausch verpflichtet hat.

Eine heutige Fragestellung ist nicht mehr allein darauf beschränkt, ob eine Teilnahme an einer Kooperation oder Projekt sinnvoll erscheint, sondern zugleich welcher technologische Ansatz dabei verfolgt werden soll. In CISE konnten sich die Nationen nur auf eine Hybrid-Architektur einigen. Die Realisierungsmöglichkeit dieses Ansatzes soll im Projekt EUCISE2020 erfolgen.

Der Erfolg des Konzeptes CISE wird erst nach 2020 einzuschätzen sein, die nationale Umsetzung der Informationsebenen („Layers“) der Organisationen und Nutzer auf nationaler Ebene muss zeitnah und harmonisiert erfolgen. Auch im nationalen Bereich stellt sich hierbei die Frage eines zentralen, dezentralen oder des Hybrid-Ansatzes.

Die Maritime Sicherheit teilt sich ferner in die zwei Welten der eingestuften Systeme (CLASSIFIED) und der nicht eingestuften Systeme (UNCLASSIFIED). Während das Militärische Lagebild (das RMP, Recognized Maritime Picture) an Bord in Übungen und Einsätzen kaum Bedeutung verloren hat, liegt in Friedenszeiten der zivile als auch zu einem großen Prozentsatz der militärische Schwerpunkt im Lagebild WEISS (WHITE SHIPPING).

Diese beiden Lagebilder können nicht vermengt werden. Während das Lagebild WEISS (WHITE SHIPPING) gem. IT-Sicherheit grundsätzlich in das RMP einfließen könnte, verbietet es die prozedurale manuelle Verarbeitung jedes einzelnen Kontaktes. Im anderen Fall kann gem. IT-Sicherheit kein automatisierter Austausch von eingestuften (CLASSIFIED) zu nicht eingestuften (UNCLASSIFIED) Systemen aufgebaut werden.

Die technologischen Möglichkeiten sind demnach gegeben, aber die Grundsatzdokumentation der IT-Sicherheit in Zuständigkeit des Bundesministeriums des Inneren (BMI) eröffnet keine Lösungsansätze.

Eine Network Interconnection Area (NIA) beschreibt im Prinzip ein Information Exchange Gateway (IEG), Demilitarisierte Zone (DMZ), die zur Unterscheidung der eingestuften Daten ein Labelling (Etikettierung) jeder einzelnen Information erfordert. Eine nationale Lösung müsste akkreditiert und zur Nutzung freigegeben werden, wäre aber auch dann international weder für NATO, CISE, MARSUR, SUCBAS verwendbar. Nur eine seitens übergreifend in der NATO oder/und der EU akkreditierten und auch national verwendbaren NIA mit Labelling kann eine Lösung darstellen.

Joachim Beckh

©Copyright Notice

[1] Siehe die Versuche und Ansätze des Führungs- und Informationssystems Streitkräfte (FüInfoSysSK) und auch der komplexe Ansatz bei der Harmonisierung der Führungs- und Informationssysteme (HAFIS).

[2] Im Englischen Sprachgebrauch werden hierbei die Begriffe „Interfaces“, „Gateways“, oder auch „Translators“ austauschbar verwendet.

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