45 Jahre Marinefernmeldeschule – 100 Jahre Fernmeldeausbildung in Flensburg

45 Jahre Marinefernmeldeschule

Nachdem die Marinefernmeldeschule (MFmS) im Jahre 2001 ihr 45-jähriges Dienstjubiläum hatte, wurden mit ihrem Umzug in die Marineoperationsschule (MOS), ehemals die Marineortungsschule (MOS), in Bremerhaven und Teilen an die Marinetechnikschule (MTS) in Parow auch 100 Jahre der Marinefernmeldeausbildung am Standort Flensburg-Mürwik abgeschlossen.

Die Marinefernmeldeschule (MFmS) wurde am 15. Juli 1956 in Flensburg-Mürwik aufgestellt. Hier wurde das Betriebspersonal für die seegehenden Einheiten und die ortsfesten Sende- und Empfangsstellen der Marine bis 2002 ausgebildet.

Die Deutsche Marine war von Anfang an eine Marine im Bündnis und immer in JOINT/COMBINED Operationen tätig. Deshalb hat die Fähigkeit zur Zusammenarbeit stets hohe Priorität und prägt die Ausbildung besonders im Bereich Führungsunterstützung. Dies erstreckt sich auf die technische Auslegung von Geräten, Vorschriften und Verfahren, Englisch als gemeinsame Sprache und nicht zuletzt ein gemeinsames Verständnis über die Grundlagen des Soldatenberufs.
Die Ausbildungsschwerpunkte der Marinefernmeldeschule lagen im Fernmeldebetrieb (einschließlich Kryptodienst), in der Fernmeldeaufklärung, im Signalbetrieb und im DV-Betriebsdienst. Jährlich durchliefen etwa 2.000 Soldaten aller Teilstreitkräfte sowie ziviles Personal die Lehrgänge an der Schule. Die gesamte Ausbildung wurde ab dem 30. September 2002 an der Marineoperationsschule (MOS) in Bremerhaven weitergeführt, die Marinefernmeldeschule aufgelöst.
Fernmeldeausbildungsgänge
Im Fernmeldebetriebsdienst (Verwendungsreihe 21) werden die jungen Soldaten auf breiter Basis so ausgebildet, dass sie ihre Aufgaben an Bord von Booten und Schiffen wie auch in Landdienststellen der Deutschen Marine erfüllen können. Die Ausbildung umfasst die ab den 1990er Jahren eingeführten, neuen softwaregesteuerten Führungsmittel, welche die
  • die Führungsfähigkeit des Befehlshabers der Flotte von Land nach See gewährleisten,
  • die Führung der Verbände in See ermöglichen,
  • die Zusammenarbeit mit Verbündeten und Partnern (NATO bzw. Partnership for Peace) sicherstellen,

aber auch die Zusammenarbeit mit Einheiten von Heer und Luftwaffe, welches in Zeiten knapper Ressourcen für die “kleinste, aber feinste Teilstreitkraft” immer wichtiger wird.

In der Fernmeldeaufklärung (Verwendungsreihe 22) werden Soldaten zum Erfassen, Entziffern, Übersetzen und Auswerten der Funkverkehre fremder Flotten ausgebildet. Der enorm wachsende Umfang des weltweiten Fernmeldeverkehrs erfordert auf Seiten der Aufklärung eine zunehmende Abstützung auf elektronische Datenverarbeitung (EDV), Computertechnologie; deshalb müssen die Lehrgangsteilnehmer auch auf diesem Gebiet gründliche Kenntnisse erwerben. Wegen der zunehmenden Digitalisierung der Fernmeldedienste nimmt die technische Analyse zur Klärung fremder Datenübertragungsverfahren in der Ausbildung einen immer größeren Raum ein. Die Peilung und Ortung fremder Funkstationen erfolgt inzwischen weitgehend automatisch. Seit 1996 wird die Tastfunkausbildung nur noch für diese Verwendungsreihe durchgeführt.

Im Signalbetriebsdienst (Verwendungsreihe 27) werden Soldaten aller Laufbahnen im Lichtmorsen, in Flaggensignalverfahren sowie in Sprechfunkverfahren ausgebildet. Hierbei spielt das Erlernen der englischen Sprache eine besondere Rolle.

Im DV-Betriebsdienst (Verwendungsreihe 66) werden die Systemoperateure für Großrechneranlagen sowie Systembetreuer für Netzwerkadministration ausgebildet. Das Personal der Rechenzentren im Marinehauptquartier (wird ab 2012 schrittweise aufgelöst), Marinefernmeldestab 70 (heute der Fernmeldebereich 91) und Marinefernmeldeabschnitt 2 (aufgelöst) erhielt für die unterschiedliche Betriebssoftware (z.B. OS-390, Windows-NT) eine breitgefächerte DV-Ausbildung.

Zusätzlich gab es an der MFmS Sonderlehrgänge für das Seenotalarmierungs- und Sicherheitsfunksystem, für Informationstechnologie und Datenschutz, die z.T. auch von Soldaten anderer Teilstreitkräfte und von Zivilbediensteten der BUNDESWEHR besucht wurden und auch heute noch an der MOS und MTS weiter frequentiert werden:

GLOBAL MARITIME DISTRESS AND SAFETY SYSTEM (GMDSS) ist das Seenotalarmierungs- und Sicherheitsfunksystem in der DEUTSCHEN MARINE, für das im Sonderlehrgang GMDSS an einer international standardisierten Ausbildungsanlage unterrichtet wird.
Die Marinefernmeldeschule bot die Ausbildung zum Erwerb des „Beschränkt gültigen Betriebszeugnisses für Funker I und II“ sowie für das „Allgemeine Betriebszeugnis für Funker“ (heute an der MOS).

Die IT-SICHERHEIT der computergestützten Kommunikationsformen und der Datenschutzes macht erweiterte Sicherheitsstandards notwendig. Mit der Verbreitung moderner EDV und Informationstechnologien wird die Abschirmung sensitiver Daten immer wichtiger. Um im militärischen Bereich Datensicherheit in der Informationstechnik zu gewährleisten, werden in einem Sonderlehrgang IT-Sicherheitsbeauftragte aller drei Teilstreitkräfte an der MOS/MTS weiterhin ausgebildet.

100 Jahre Fernmeldeausbildung in Flensburg

Die Geschichte der Fernmeldeausbildung in den deutschen Marinen verdeutlicht beispielhaft die rasante technische Entwicklung im 20. Jahrhundert. Diese Thematik wurde in der “Lehrsammlung für die verwendungsbezogene Ausbildung” erläutert, welche am 19. März 1982 an der Marinefernmeldeschule eröffnet wurde. Dieses “maritime Museum” der MFmS wurde an der Marineoperationsschule (MOS) noch aufgebaut, ist zwischenzeitlich jedoch in der Zahl der Ausstellungsstück deutlich reduziert worden, da eine ehrenamtliche Betreuung aufgrund des Zeitaufwands nahezu unmöglich geworden ist. Der Aufbau der Lehrsammlung wurde unterstützt durch ehemalige Marinesoldaten, die Marinefunker-Runde e.V., die Kameradschaft der Marinefernschreiber 1958 e.V., den Freundeskreis ehemaliger Angehöriger der MNS Aurich, die Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens e.V. und die Industrie. Zu Zeiten des Leiters Joachim Beckh erreichte die Sammlung ihren Zenit mit über 700 Exüponaten und über 3.000 Führungen in 5 Jahren.
Mit Hilfe von Exponaten und der sich daraus erschließenden Geschichte der Entwicklung technischer und betrieblicher Fernmeldeverfahren wurde den Lehrgangsteilnehmern eine Wissensgrundlage verschafft, auf welcher die Leistungsfähigkeit aktueller und moderner Fernmeldeanlagen kompetent beurteilt werden konnte. Gleichzeitig wurden auch der fachlich interessierten Öffentlichkeit Einblicke in die Entstehung des Fernmeldewesens gegeben und die historischen Wurzeln der Schule aufzeigt:

Ausbildungseinrichtungen für das Fernmeldewesen in den deutschen Marinen vor 1956

Die Ausbildungseinrichtungen für das Fernmeldewesen in den deutschen Marinen vor 1956 reichen von der Marine-Telegraphenschule Lehe (1889 – 1918), Funken-Telegraphie-Schule Flensburg (1900 – 1918), Funken-Telegraphie-Schule Swinemünde (1918 – 1920), Marinenachrichtenschule (1920 – 1925), Torpedo- und Nachrichtenschule (1925 – 1934), Marinenachrichtenschule (1934 – 1938), Marinenachrichtenschule Mürwik (1938 – 1945) bis zur Ausbildungsabteilung der Marinenachrichtenhelferinnen (1942 – 1945) auf Rügen.
War im 19. Jahrhundert das Flaggensignal für die Nachrichtenübermittlung auf See bestimmend, so sollte sich das frühestens mit der experimentellen Erzeugung und dem Nachweis der Ausbreitungseigenschaften elektromagnetischer Wellen durch den deutschen Physiker Heinrich Hertz im Jahre 1888 entscheidend wandeln. Nachfolgend wurden technische Verfahren erdacht, elektromagnetische Wellen für die Übertragung von Nachrichten nutzbar zu machen. Die sich daraus entwickelnde „Funkentelegraphie“ (heute: Funktelegrafie, RTTY) ermöglichte zur Jahrhundertwende erstmalig eine Befehlsübermittlung über den optischen Horizont hinaus, nicht nur an Land, sondern auch auf See. Die militärische Nutzung der Funktelegraphie führte zu einer enormen Erweiterung der Führungsmöglichkeiten von Seekriegsmitteln.
Erste Erfahrungen zeigten, dass speziell ausgebildetes Fachpersonal für die Bedienung der Funktelegraphieanlagen erforderlich war. Deshalb wurde vom Reichsmarineamt im Jahre 1899 angeordnet, dass Marinesoldaten in einer neuen Laufbahn als Funker den Werftdivisionen zugeteilt und ausgebildet werden sollten.
Die erforderliche Ausbildung des Personals zur Bedienung der Gerätschaften fand ab dem 1. Oktober 1901 auf den Torpedoschulschiffen S.M.S. FRIEDRICH CARL und S.M.S. BLÜCHER statt, die zu Torpedo- und F.T.-Übungen in die Flensburger Förde fuhren. Nach den ersten von der Inspektion des Torpedowesens gemachten Erfahrungen wurde vom Reichsmarineamt am 15. April 1902 folgende Regelung angeordnet: „Die Bedienung der Funkentelegraphie wird den Torpedoabteilungen übertragen. An Bord übernimmt wenigstens zunächst das jetzt etatmäßig technische Torpedopersonal die Instandsetzung und Bedienung der Apparate. Die Aufsicht und Leitung wird in die Hände eines Seeoffiziers gelegt.

Für die ab dem 1. Dezember 1902 beginnenden Funken-Telegraphie-Kurse wurde das Torpedoschulschiff S.M.S. BLÜCHER als Ausbildungsstätte fest nach Flensburg-Mürwik verlegt. Nachfolgend wurden die zwei Landstationen Mürwik und Parkhotel eingerichtet, zwischen denen Übungsverkehr mit der S.M.S. BLÜCHER stattfand. Die wechselhafte Geschichte der Marinefernmeldeausbildung in Flensburg-Mürwik hatte begonnen.
Mit Beginn der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg wurde die regelmäßige F.T.-Ausbildung in Flensburg-Mürwik vorerst beendet. Die an der F.T.-Schule vorhandenen Funkanlagen wurden ausgebaut und Landeinheiten zur kriegsmäßigen Nutzung übergeben. Doch am 19. Dezember 1914 waren die materiellen Voraussetzungen zur regelmäßigen Ausbildung neu geschaffen. Am 6. Mai 1918 wurde die Verlegung der F.T.-Schule von Flensburg-Mürwik nach Swinemünde befohlen.
Durch den Schulbetrieb verursachte Störungen des militärischen F.T.-Verkehrs und daraus resultierende Ausbildungsbeschränkungen im Gebrauch der F.T. sollten im Vorfeld verhindert werden. Die Verlegung der F.T.-Schule folgte damit sowohl militärischen Interessen als auch der Tatsache, dass die F.T.-Schule in Flensburg-Mürwik durch die veralteten Ausbildungsanlagen und die unzureichende Unterbringungskapazität für den kriegsbedingt gestiegenen Ausbildungsbedarf nicht mehr den Anforderungen genügte. Hiermit scheiterte die ursprünglich angedachte Zusammenlegung der Ausbildung des Funkspruch-, Signal- und Unterwasserschallsignalwesens an der F.T.-Schule in Flensburg-Mürwik.
Am 3. Juli 1920 wurde vom Reichswehrministerium angeordnet, dass im Gebäude der Torpedoschule Mürwik eine Nachrichtenschule eingerichtet werden sollte. Der Schulbetrieb sollte zunächst mit der Signal- und Fernschreibausbildung beginnen und der Bedarf an Lehrmitteln aus dem vorhandenen Nachrichtengerät gedeckt werden. Für Neubeschaffungen standen vorläufig keine Mittel zur Verfügung.

Am 5. August 1920 wurde die Marinenachrichtenschule gegründet. Sie vereinte die Signal-, Fernschreib- und Funkausbildung. Außer der planmäßigen Fachausbildung erhielt das Signalpersonal eine Zusatzausbildung im Fernschreib-, Telegraphen und Fernsprechdienst, das Funkpersonal im Unterwasserhorchdienst und in der Bedienung von Unterwassertelegraphie-Anlagen, abgekürzt U.T.-Anlagen.

Zum 1. April 1925 wurde die Marinenachrichtenschule mit der Torpedoschule in Flensburg-Mürwik zur Torpedo- und Nachrichtenschule (T.N.S.) vereinigt. Der Bedarf an Ausbildungs- und Stabspersonal für zwei Schulen an einem Standort sowie die daraus resultierenden Kosten ließen auch zur damaligen Zeit keine Alternative zu den Einsparungen.

Mit dem 1. Oktober 1934 wurde die Torpedo- und Nachrichtenschule wieder getrennt. In der Dienstvorschrift für die neue Marinenachrichtenschule wurde deren Auftrag wie folgt festgelegt: Die Marinenachrichtenschule hat „[…] die Aufgaben, die Seeoffiziere und ihren Nachwuchs im Nachrichtendienst auszubilden und das Nachrichtenpersonal heranzubilden. In den Lehrgängen ist unter Förderung der soldatischen Erziehung die Grundlage der Fachausbildung zu vermitteln. Die Schulen sollen ihre laufenden Erziehungs- und Ausbildungsarbeit im Nachrichtendienst auf den praktischen Betrieb des Nachrichtendienstes an Bord und an Land einstellen […]“.

Am 1. Oktober 1938 wurde die Marinenachrichtenschule in Marinenachrichtenschule Mürwik umbenannt. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges änderte sich die Organisation des Nachrichtendienstes der Kriegsmarine. Die Ausbildung der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften wurde aber mit Hochdruck fortgeführt.
Die Marinenachrichtenschule Mürwik wurde bis zur äußersten Grenze ihrer Belegungskapazität genutzt. 1938 wurde zusätzlich eine weitere Schuleinrichtung in Aurich aufgestellt, der Ausbildungsstätten in Waren/Müritz (1941) und Rantum/Sylt (1943) sowie eine Nachrichtenhelferinnen-Ausbildungsabteilung (1942) auf Rügen folgten. An allen Schulen wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges unterrichtet. Über die Funkanlagen der Marinenachrichtenschule Mürwik wurden u.a. 1945 die Evakuierungsaktionen über Ostsee geleitet.

Von Oktober 1945 bis April 1946 wurde die Liegenschaft von der „Polizeischule der Provinz Schleswig-Holstein“ genutzt, der britische und norwegische Truppen sowie Einheiten des Bundesgrenzschutzes folgten, bis im Juli 1956 der Aufstellungsstab der Marinefernmeldeschule aus Bremerhaven einzog.

Zwischen 1956 und 2002 wurden in der Marinefernmeldeschule rund 110.000 Lehrgangsteilnehmer ausgebildet. Die Schule hatte länger Bestand als all ihre Vorgängereinrichtungen zusammengenommen.
Die Liegenschaft des Mutterhauses der Marinefernmelder wurde ab 2003 durch das “Ausbildungszentrum für Strategische Aufklärung“, heute Schule Strategische Aufklärung genutzt. Die Fernmelder – früher die “Funkenpuster” – der Marine kehrten nach Bremerhaven, dem ursprünglichen Ort der Marinefernmeldeausbildung in Form der Marine-Telegraphenschule in Lehe (1889), zurück. Die “Lehrsammlung für die verwendungsbezogene Ausbildung” findet kaum noch Nutzung und ihre Aufgabe kann nur rudimentär von Sammlungen wie dem Internationalen Museum in Hamburg erfüllt werden.

Darstellung der Nachrichtentechnik in den deutschen Marinen in der “Lehrsammlung für die verwendungsbezogene Ausbildung” der Marinefernmeldeschule (MFmS)

(19. März 1982 – 30. September 2002)

Die Darstellung der Nachrichtentechnik der deutschen Marinegeschichte folgt den klassischen Bereichen des Fernmeldewesens: Optischer Fernmeldedienst, Funkdienst (mit Weitverkehrs- und Richtfunktechnik), Fernschreibdienst, Fernsprechdienst, Chiffrierdienst. Dabei umfassen die Exponate die unterschiedlichen Epochen der ersten deutschen Bundesflotte von 1848, der Kaiserlichen sowie der Reichs- und Kriegsmarine, der Bundesmarine und der Nationalen Volksmarine der NVA/DDR bis 1990 sowie der Deutschen Marine ab 1990 bis heute.
Uniformteile des Fernmeldepersonals dieser deutschen Marinen tragen die Abzeichen der Verwendungsreihen. Mitschreibhefte, Signal- und Funkbücher, Lehr- und Lernmaterial zeigen die Aufgaben des Fernmeldepersonals und dokumentieren den Wandel, der sich in der Unterrichtsdurchführung bis heute vollzogen hat.
In der Sammlung finden sich Flaggensignale und erste Morseschreiber, Fernschreib- / Fernsprechanlagen und -vermittlungen, Röhren-Sender und –Empfänger, Weitverkehrs- und Richtfunktechnik, Schlüsselmaschinen mit den dazugehörigen Messgeräten bis hin zu den Beispielen der heutigen digitalen Fernmeldemittel. Nur ein paar Beispiele der technischen Gerätevielfalt und aus den unterschiedlichen Epochen können hier genannt werden:

Optischer Fernmeldedienst

Der optische Signaldienst wird dargestellt anhand von Winkflaggen, Morselampen, Blinkspiegeln und dem internationalen Flaggenalphabet. Lehrgangsnachweise verdeutlichen die hohen Anforderungen, die seit eh und je an das Personal gestellt wurden.
Die optische Nachrichtenübermittlung hat angesichts der heutigen Informationsflut an Bedeutung verloren. Und doch gilt: Flaggensignale und Signalscheinwerfer sind die einzigen Fernmeldemittel, die sich dem Zugriff durch gegnerische Störung entziehen. Deshalb hält die DEUTSCHE MARINE, im übrigen auch die NATO, an diesen bewährten Verfahren fest.

Funkdienst bis 1945

Bauteile der ersten Schwingkreise in der Nachrichtentechnik sind Quarze und Röhren, die hier eine fast einzigartige Ansammlung von verschiedenen Weitverkehrsröhren, Rundfunkempfängerröhren, Senderöhren und Frequenzquarzen ergeben. Beachtenswert ist hier z.B. die wohl bekannteste Empfängerröhre RV 12 P 2000 aus dem Jahre 1936. Die Weiterentwicklungen zeigen die ersten Ringkernspeicher, die Halbleiter bis hin zu den integrierten Schaltungen.
Das älteste Exponat ist ein Löschfunkensender von Elektro-Mekano (ca. 1910). Anlagen dieser Art waren noch bis in die sechziger Jahre als Notfunkstation (500 kHz) an Bord zugelassen. Auf den U-Booten wurde z.B. der Sender S-406 S installiert, während auf Schlachtschiffen, Kreuzern und Landstationen der Sender T-800-FK-39 verwendet wurde. Die 40/70-Watt-KW/LW-Anlage wurde auf Schnellbooten und Luftfahrzeugen im 2. WK eingebaut. Der Fernkurzwellensender Lo-150-FK-41 wurde beim Einsatz automatischer Wetterstationen in der Arktis bekannt.
Das Grundprinzip eines Empfänger wird durch eine einfache Spule mit Detektor und Kopfhörer erklärt. Der Allwellen-Empfänger E-381-H, aufgrund seiner Form bekannt geworden als „Brotkasten“, war neben den Schiffsfunkräumen auch auf den deutschen Zeppelinen zu finden. Langwellen-Empfänger Lo-6-L-39 und Kurzwellen-Empfänger Lo-6-K-39 sind die Entwicklungslinie hin zum T-8-L-39, „Wupper“. Er zeigt die technische Entwicklung der Überlagerungsempfänger hin und zum berühmten UKW-Empfänger E-52, dem „Köln“. Dieser wurde von russischen Konstrukteuren so gut kopiert, dass man die Baugruppen in die Geräte aus deutscher Produktion einsetzen konnte.
Die Empfangsgeräte R2 und R3 der österreichischen Firma Radione Eiltz aus Wien wurden in der gesamten Wehrmacht eingesetzt und waren für den Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich gedacht. Die Marine verwendete die Empfänger vor allem für Prisenkommandos und auf U-Booten.
Ein amerikanischer HRO-Empfänger von 1943, der für die Peilstellen der Reichs- und Kriegsmarine bis 1939 angekauft wurde, fand über die Nachbauten von Siemens und Kösting für die Wehrmacht, auch nach 1945 Verwendung. Als Allwellen-Empfänger Modell AQST war er einer der ersten Funkempfänger in der Volksmarine der DDR. Auch der ab dem Jahre 1937 in der Wehrmacht genutzte 7-Röhren-Superhetempfänger E.h. wurde in den 50er Jahren von der Volkspolizei der DDR weiter verwendet.

Funkdienst nach 1945

In der Aufbauzeit der Bundesmarine musste vorerst auf ausländische Produkte zurückgegriffen werden. Von besonderem Interesse ist sicherlich der erste britische Funkempfänger des Marineortungsabschnittes Ostsee von der Firma Eddystone, mit dem im Jahre 1956 die Fernmeldeaufklärung der Marine ihren Anfang nahm.
Die ersten KW-Empfänger der Flotte waren der BC-348-R und der BC-794-B der Belmont Radio Corporation in Verbindung mit dem amerikanischen Marine-Sender TCK-4. Die amerikanische Sende- und Empfangsanlage GRC-9 wurde in der Bundesmarine bis Ende der sechziger Jahre eingesetzt.
In der NVA wurden entsprechend die russischen bzw. Geräte aus DDR-Produktion verwendet. Die VEB Funkwerke Köpenick hatten die Nationale Volksarmee mit modernem Fernmeldegerät auszustatten. In der Sammlung befinden sich u.a. der EKV-12, EKV-13, SEG-50, SEG-100D, EKD-300 und EKD-500, die bis 1990 im Einsatz waren.
Zu den ersten Sendeanlagen der Bundesmarine aus deutscher Produktion gehörten Ende der 60er Jahre der Kurzwellen-Sender SK-050 und der Kurzwellen-Sender SK-080, als „großer Bruder“ des SK-010 aus dem Jahre 1956. Der Sender SK-080 hatte eine Ausgangsleistung von 800 Watt, der SK-010 nur 100 Watt. Ein Frequenzwechsel erforderte bei diesen Anlagen mehr als 20 Minuten.
Hilfsschiffe der Bundesmarine waren in den sechziger Jahren ausgestattet mit dem Siemens-Empfänger Typ 66 A, dem Fernschreiber, dem Antennenschalter, dem 28-Kanal-Bediengerät, dem Wahlempfänger, der Junkers-Taste und Kopfhörer, was zusammen den „Arbeitsplatz Hilfsschiffe“ darstellt. In der Flotte waren in dieser Zeit der KW-Empfänger 745-E-307, als Vorläufer des KW-Empfängers 745-E-309-a/b von Siemens & Halske.
Der Kurzwellen-Empfänger E-863-KW/2 und der Allwellen-Empfänger ELK-639 waren wieder eine neue Gerätegeneration. Es kamen Anlagen und Geräte zum Einsatz wie der KW-Empfänger Rel-445-E-311 und E-311-b, der KW-Empfänger EK-07 und der Allwellen-Empfänger bzw. „Regenbogen-Empfänger“ E-566 (745-E-310-B), der auch Funkamateuren bekannt ist. Den Namen hat dieser Empfänger von den Farben der Frequenzskalierung, die ihm zusätzlich den Spitznamen „Papagei“ verschafften.
Der Empfänger E-1800/3 repräsentiert die Entwicklung der Empfangsgeräte der neunziger Jahre, die an Bord, im Landbetrieb oder in der Ausbildung der Marinefernmeldeschule verwendet werden. In Größe, den technischen Daten und Funktionsaufbau gleicht ihm der EKD-500 der Volksmarine, während der EKD-300 das Äquivalent zum RX-1001 von Telefunken darstellt.

Weitverkehrs- und Richtfunktechnik

Ein Ausstellungsstück aus der Anfangszeit der Weitverkehrs- und Richtfunktechnik ist die „Michael“-Anlage aus den vierziger Jahren, an der man den Trend zu Einschubgehäusen erkennen kann. Diese Anlagen bildeten ein Streckennetz, das vom Nordkap bis Afrika und von Spanien bis Russland reichte.
Das heutige Taktische Richtfunknetz des Flottenkommandos dient der Vernetzung der Sende- und Empfangsstellen der Marine, die aus zwei Fernmeldezentralen betrieben werden.
In der Sammlung findet sich die Mehrzahl der in der DEUTSCHEN MARINE eingesetzten Richtfunkgeräte und Geräte zur Weitverkehrstechnik (= WT-Geräte) wieder. So steht hier die FM-12/800 in ziviler und militärischer Ausführung, die VZ-12 in Röhren- und Transistorausführung sowie viele andere Vertreter der Nachrichtentechnik. Daneben sind die umfangreichen Test- und Prüfgeräte des Instandsetzungspersonals ausgestellt.

Fernschreibdienst

Morseschreiber aus den Jahren 1861, 1866 und 1870, darunter ein Exemplar von Kapsch & Söhne aus Wien, sind die technischen Vorläufer der Fernschreiber und leiten über zur Darstellung der beiden großen deutschen Hersteller Lorenz und Siemens & Halske.
Der „Springschreiber“ markiert den Sprung zur Fernschreibmaschine, wie sie bis heute noch teilweise im Gebrauch ist. Zum Handwerkzeug eines Fernschreibers gehörten natürlich auch die Transportkassetten, die Vorrichtung zum Anfeuchten von Papierstreifen mit Schere sowie eine Lochstreifenlehre.
Die Fernschreibsteckvermittlung T-41-HV-10/30 für maximal 50 Teilnehmer aus dem Jahre 1942 stammt aus der Schiffsmeldestelle in Hamburg, Elbchaussee 277, die heute das Wissenschaftliche Institut für Schifffahrts- und Marinegeschichte beherbergt. Angeschlossen waren z.B. die Fernschreibmaschine T-typ-37i mit Lochstreifensender und Locher.
Neben den Blattschreibern T-51 und T-63, einem Handlocher sowie Lochstreifensender und -empfänger, wird mit der Fernschreibmaschine F-1300 der Weg in die Elektronik der Volksmarine der DDR aufgezeigt.
Generationswechsel der jüngeren Vergangenheit der DEUTSCHEN MARINE finden sich bei den Fernschreibmaschinen T-typ-100Z aus dem Jahre 1960 und FS-220 aus dem Jahre 1986. Zwischen 1971 und 1986 wurde an der MFmS an der T-typ-100 ausgebildet, seit Herbst 1986 befand sich die erste elektronische Fernschreibmaschine FS-220 in der Ausbildung. Doch das herkömmliche Fernschreibwesen findet seinen Abschluss in den neuen rechnergestützten Übertragungsverfahren.

Fernsprechdienst

Nach der Entwicklung des Telephons durch Reis und Bell führte Generalpostmeister Heinrich von Stephan dieses im Deutschen Reich ein. Ein Feldfernsprecher aus dem Jahre 1917 stand im Gebrauch der Erdstationen mit den angedockten Zeppelinen, deren Fernmeldepersonal damals teilweise in Flensburg ausgebildet wurde.
Mitte des Jahres 1929 wurde der Tisch- und Wandfernsprecher W28, früher SA28, eingeführt. Die Weiterentwicklung der “Gabelgeräte” wird durch den W48/W49, der Ende der vierziger Jahre eingeführt wurde, gezeigt. Eine Ortbetriebsvermittlung (OB) mit Amtnetz- und Telephonüberwachungseinrichtung aus dem Jahre 1941 gibt einen Einblick in die damalige Ausstattung von Fernmeldestellen.
Ein Handvermittlungs- / Klappenvermittlungsschrank aus der Kriegsschule Mürwik wurde z.B. von der letzten Führung des Dritten Reichs genutzt. Über diesen Schrank wurde zuletzt u.a. die Evakuierung der Flüchtlinge im Ostseebereich durch die Kriegsmarine geleitet.
Der Bereich Fernsprechverbindungen / Fernsprechstationen der NVA beginnt mit der OB-Vermittlung 62/10, dem Feldfernsprecher FF-63, dem Feldfernsprecher FF-53 und der OB-Feldvermittlung 10. Sie geben einen Einblick in die Fernsprechtechnik der Jahre 1960 bis 1990. Die sowjetische Fernsprechtechnik wird u.a. durch die Fernsprechvermittlung P-194 M repräsentiert.
Der Morsegeber MG-80 automatisierte die Umsetzung und Sendung von Buchstaben/Zahlen zu Morsezeichen, die beim Empfang auf Band aufgezeichnet, dann abgehört und übersetzt wurden. Die Anlage Morsegebersystem-80, MGS-80, arbeitete mit einer hohen Gebegeschwindigkeit. Solche Anlagen waren bis zur Auflösung der Volksmarine im Einsatz.
Fernsprecher ab dem Jahre 1956 und Handvermittlungen für 5 oder 10 Teilnehmer verdeutlichen die Technik der Aufbauzeit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Streitkräfte. Der batterielose Schiffsfernsprecher ist den Bordfahrern der ersten Stunde noch bekannt. Die OB Fernsprechvermittlung mit Amtzusatz 30 – 150 Anschlüsse und eine Hebdrehwähleranlage schließen den Ausflug in das Fernsprechwesen der BUNDESWEHR ab.

Chiffrierdienst

Bilder und Dokumente an den Wänden vermitteln einen Einblick in den Betriebsablauf in den Fernmeldestellen der deutschen Marinen und leiten über zum abschließenden Bereich der Kryptologie, dem geheimnisvollen Chiffrierdienst.
Hier sieht man verschiedene Versionen der Schlüsselmaschine ENIGMA (griechisch: Rätsel), die wohl bekannteste Vertreterin deutscher Chiffriergeräte. Die zivilen Versionen wurden von dem Dipl.-Ing. Arthur Scherbius Anfang der zwanziger Jahre entwickelt und gebaut. Über die ENIGMA-Versionen A, B und C kam es im Jahre 1926 zu der Einführung des Funkschlüssel-C in der Reichsmarine, die damit weltweit als erste militärische Teilstreitkraft ein elektromechanisches Rotorschlüsselverfahren einführte.
In der Folge wurde dann im Jahre 1934 der Funkschlüssel-M bei der Marine eingeführt, dessen Entwicklung in Bildern, Dokumenten und den dazugehörigen Geräten dargestellt wird. Die Enigma-M-4 wurde ausschließlich in der Kriegsmarine verwendet. Das Exponat der Lehrsammlung taucht im Film „Das Boot“ und einer Zeitdokumentation des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) über Admiral Canaris auf.
Ein sehr seltenes Gerät war der Siemens Geheimschreiber T-typ-52e; nicht so bekannt wie die ENIGMA, hatte er aber einen wesentlich komplexeren Aufbau und eine noch höhere Periode von Tauschalphabeten. Von den ursprünglich ca. 1000 Geräten wurden einige noch nach 1945 bis in die 60er Jahre in französischen und englischen Fernmeldeverbindungen zur Verschlüsselung eingesetzt. Heute sind nur noch wenige Exemplare erhalten.
Eines der modernsten Schlüsselgeräte der NVA war das ARGON 310/50, welches z.B. auch in den polnischen Streitkräften nach 1990 weiter eingesetzt wurde. In der DDR wurden diese Schlüsselgeräte 1989 eingezogen und vernichtet, wodurch das Exponat der Lehrsammlung eines von nur noch vier existenten Zeitzeugen in Deutschland ist.
Neben historischen Schlüsselgeräten und Unterlagen werden auch Abbildungen zum Schlüsselwesen aus der jüngsten Vergangenheit gezeigt. Die Techniker und Bediener aus den Anfängen der BUNDESWEHR erinnern sich noch an das BID-710, die KL-7, die KW-7, die T-55, das Handschlüsselgerät H-54, die Lo-Mi-544 oder die KW-36 und die damit verbunden Tücken des damaligen Dienstbetriebes mit den komplizierten Anlagen.

Schlußbemerkung

Was sich aus der Geschichte lernen lässt, muss für die Nachwelt bewahrt werden. Dieses Wissen zu vermitteln, ist die Aufgabe der Sammlungen in den deutschen Streitkräften unter der Leitung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam.

Autor:  Joachim Beckh

 

One thought on “45 Jahre Marinefernmeldeschule – 100 Jahre Fernmeldeausbildung in Flensburg

  1. Korrekturanmeldung: Das Funkgeräteset GRC-9 fand an Bord der KM-Boote im 6. MSG bis Mitte der 1970iger Jahre Einsatz als Notanlage. Als solche wurde es zumindest im Übungsbetrieb eingesetzt.

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